| Kultiges München
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| Kinoporträt: Das
„Monopol“ in Schwabing Zugegeben, die Feilitzschstraße ist nicht die schmuckste Straße der Stadt. Und wohl auch nicht die netteste. Die Dichterdichte soll hier in Altschwabing zwar mal sehr hoch gewesen sein, doch die Musen haben irgendwann ihre sieben Zwetschgen gepackt und sind von dannen strawanzt. Wohin, das mögen andere ergründen. Wo einst Wedekind, Bierbaum und Panizza entlangschlenderten, speiben heute pfiffige Pubertierende allsamstäglich ihre McDreck-Nahrung in die Rabatten. Happy Hours locken heimatlose Studenten zum Billigrausch, Unsympathieträger marodieren in ihren Angeber-Schäsen vorbei und manchmal – wenn man extra Peperoni ordert – wird einfach eine aus der großen Dose gefischt und lieblos auf die lauwarme Handpizza geschlenzt. Ist ja auch recht so, wenn die Stadt nicht überall so possierlich ist, wie im Lehel oder in Haidhausen. Dennoch erfreulich, wenn selbst diese Schmarrnmeile mit Gutem aufwartet, nämlich im ersten Stock zwischen „Mama’s Kebap Haus“ und „Willie’s Playhouse“. Zugegeben, das „Monopol“ ist nicht das schmuckste Kino der Stadt. Aber sicher eines der nettesten. Zum Stil des Hauses gehört es beispielsweise, die Gäste im Foyer ein wenig um Ruhe zu bitten, wenn gerade drinnen im Saal ein recht leiser Film gegeben wird. Die Wurschtigkeit der Großkino-Knechte ist den Betreibern offenbar fremd. Hier wird sich gekümmert. Und zwar um die Gäste und um die Filme. „Wir haben erst mal alles abgeschafft, was uns selbst im Kino nervt“, meint Christian Pfeil, der Chef. „Erstens: die Werbung. Zweitens: die Popcornmaschine. Drittens: die unübersichtlichen Preise.“ Ob nun die Popcornlosigkeit gastfreundlich ist, sei dahingestellt. Jedenfalls knistert’s weniger in den Sälen des „Monopol“. Das Fehlen der Werbung zwingt nun zum pünktlichen Erscheinen. Andererseits wird dadurch der Kinobesuch nicht zu einem fetten Abendprogramm, und der Blick auf den Film ist ungetrübt, weil zuvor mal nicht drei Dutzend aberlustige Spots auf einen einlärmen. Dafür kommt man eben öfter, denn der Preis beträgt am Wochenende nur sechs Euro, unter der Woche fünf. Die fehlenden Werbefilm-Einnahmen holt sich das Kino woanders: Eine Zigarettenmarke zahlt für die Außenwerbung, außerdem können durch die Zeitersparnis mehr Vorstellungen angesetzt werden. Ein famoser Trick. Ein Kino gab es in der Hausnummer 7 schon so lange, dass es diverse Schwabinger Dichter-Klassiker durchaus noch mitgekriegt haben. Später wurde daraus ein Pornokino namens „Barbarella“. Und dann, in den Achtzigern, das „Broadway“, wo der betreibende Verleih am liebsten seine eigenen Fassbinder-Filme zeigte. Später bastelten sich irgendwelche Gaudiburschen ein als Flugzeug verkleidetes Event-Kino und scheiterten verdientermaßen, woraufhin schließlich der Thüringer und Wahlmünchner Pfeil an den Laden geriet. Der ist eigentlich Schauspieler, aber auch Inhaber einer kleinen Produktionsfirma. Ja, und außerdem arbeitet er noch für andere Kinos. „Wenn du als Schauspieler Kino machen willst, musst du eines aufmachen“, lautete seine Erkenntnis. So wurden die Fernsehgagen in das neue Monopol gesteckt, depperte Flugzeugteile rausgeworfen, geräumige Sitzreihen eingebaut und Gartenmöbel fürs Foyer besorgt. Das neue Konzept hieß: „Keine Stangenware!“ Lieber US-Indies, Dokus, Holpriges aus Bayern und „gern auch Japanisches“. Oft sind es Filme, die sonst in München gar nicht laufen oder schnell verschwinden würden. „Ich kann die nicht alle persönlich mögen, aber ein Film muss für mich einen Grund haben, gezeigt zu werden“, sagt Christian Pfeil, wobei er schönen Trash keineswegs ausschließen will. Entsprechend speziell ist der Barkühlschrank bestückt, nämlich mit Schwarzbier, Tannenzäpfle, Almdudler und Orangina. Überdies erfüllt das „Monopol“ allerlei kulturelle Fleißaufgaben, bietet Klassikerreihen, Asia-Specials oder Ausstellungen. Und auf Anfrage kann Pfeil auch noch ein Wanderkino verleihen – für alle, die zu weit weg von der großen Stadt wohnen und es deswegen viel zu selten ins „Monopol“ schaffen. Hier wird sich eben gekümmert. Richard Oehmann Monopol, Feilitzschstraße 7, 80803 München, |
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